· Fachbeitrag · Arzneimittel richtig anwenden
Hinweise zu besonders erklärungsbedürftigen Darreichungsformen
von Katja Löffler, Dipl.-Kffr. (FH), PTA, Grasbrunn
| Damit Arzneimittel ihre therapeutische Wirkung entfalten können, müssen sie richtig eingenommen werden. Was zunächst sehr simpel klingt, bereitet vielen Patienten Probleme, denn viele Arzneimittel sind schwieriger anzuwenden als gemeinhin bekannt. Die falsche Anwendung kann gravierende Folgen haben und führt Jahr für Jahr zu Tausenden von unnötigen Krankenhauseinweisungen sowie zu zahlreichen Todesfällen. In der Praxis haben sich die folgenden Empfehlungen bewährt. |
Tabletten und Kapseln
Ein großer Teil der Erklärungsbedürftigkeit betrifft die Teilbarkeit von Tabletten, denn vor der Einnahme werden rund ein Viertel aller Tabletten von den Patienten geteilt. Dies ist entweder zur Dosisanpassung notwendig oder weil der Patient unter Schluckbeschwerden leidet.
Nicht jede Tablette mit Rille ist tatsächlich teilbar
Hat eine Tablette eine Rille, gehen die meisten Patienten davon aus, dass diese Tablette geteilt werden kann. Doch Achtung: Selbst so manche Tablette mit Rille - hier handelt es sich dann um sogenannte Schmuckrillen - darf nicht geteilt werden. Im Vergleich zu einer Schmuckrille ist eine echte Bruchkerbe in der Regel tiefer eingekerbt und hat oft einen breiteren Kerbenwinkel. Informationen über das Teilen oder Zerkleinern von Tabletten können dem Beipackzettel oder den Fachinformationen entnommen werden. Der Hinweis im Beipackzettel „Unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit einnehmen“ deutet beispielsweise darauf hin, dass das Arzneimittel nicht geteilt werden darf.
PRAXISHINWEIS | Darf eine Tablette geteilt werden, sollte dies möglichst nicht mit einem Küchenmesser erfolgen, denn hierbei entstehen häufig ungleiche Hälften. Der Wirkstoff ist dann nicht gleichmäßig verteilt. Empfehlen Sie Ihren Patienten daher die Verwendung eines Tablettenteilers. |
Informationen für Patienten mit Schluckbeschwerden
Fragt ein Patient beispielsweise nach der Größe der Tabletten, ist dies ein ziemlich sicheres Zeichen, dass er Probleme mit dem Schlucken von Tabletten oder Kapseln hat. Hier sollten Sie hellhörig werden und die Patienten je nach individueller Situation auf Folgendes hinweisen:
- Damit Tabletten oder Kapseln besser rutschen, sollten sie möglichst im Sitzen oder Stehen eingenommen werden.
- Tabletten und Kapseln werden immer mit einem großen Glas (ca. 200 ml) Leitungswasser eingenommen. Die Flüssigkeit verhindert, dass die Tabletten oder Kapseln im Hals stecken bleiben. Leitungswasser eignet sich am besten, weil manche Wirkstoffe mit den Mineralien aus gekauften Mineralwässern reagieren.
- Kapseln, magensaftresistente Tabletten und Dragees, Retard- und Depottabletten dürfen nicht geteilt, zerkleinert oder gemörsert werden. Die schützende Hülle würde zerstört werden. Damit steigt das Risiko von Nebenwirkungen. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist es möglich, Retardtabletten unter Erhaltung der Retardierung in Wasser zerfallen zu lassen.
- Manche Tabletten können gemörsert oder zerkleinert und anschließend mit Leitungswasser eingenommen werden. Andere Tabletten kann man direkt in einem Glas Wasser zerfallen lassen und trinken. Das Glas sollte in jedem Fall nochmals mit Wasser nachgespült werden, um eventuelle Wirkstoffrückstände zu vermeiden. Hinweise zum Zerkleinern finden sich in den Packungsbeilagen.
- In Kapseln liegt der Wirkstoff entweder als Pulver oder in Form von gepressten Kügelchen - den sogenannten Pellets - vor. Bei Schluckbeschwerden werden Kapselhüllen oftmals geöffnet, der Inhalt wird entnommen und anschließend mithilfe eines Löffels geschluckt. Hier gilt ebenfalls: Nicht jede Kapsel kann geöffnet und ihr Inhalt entnommen werden. Auch hier kann die Packungsbeilage weiterhelfen.
Tropfen
Bei Flaschen mit Tropfeinsatz ist die Handhabung davon abhängig, ob ein Rand- oder ein Zentraltropfer verwendet wurde.
Der Randtropfer
Der Randtropfer besitzt lediglich ein Loch in der Mitte. Getropft wird immer in Schräghaltung, möglichst in einem Winkel von 45 Grad. Beim Randtropfer darf nicht an die Flasche geklopft werden.
Der Zentraltropfer
Beim Zentraltropfer befindet sich zusätzlich noch eine kleine Belüftungsröhre am Rand des Einsatzes. Dieser Tropfer muss senkrecht gehalten werden. Würde die Tropfflasche schräg gehalten, wäre der Tropfen zu klein und die Patienten würden den Wirkstoff unterdosieren. Damit die Tropfen beginnen, aus der Flasche zu tropfen, kann hier leicht auf den Flaschenboden geklopft werden.
Trockensäfte
Trockensäfte enthalten in der Flasche lediglich ein festes Pulver. Wie aus diesem Pulver ein gebrauchsfertiger Saft hergestellt wird, muss dem Patienten genau erklärt werden:
- Die Flasche wird bis maximal zur Markierung mit frischem Leitungswasser gefüllt, verschlossen und geschüttelt, bis das Pulver vollständig gelöst ist.
- Hat sich durch das Schütteln Schaum gebildet, warten Sie, bis sich dieser wieder aufgelöst hat.
- Bei Bedarf wird nun noch einmal Wasser bis exakt zur Markierungslinie aufgefüllt und erneut geschüttelt.
- Vor jeder Einnahme werden Trockensäfte erneut geschüttelt, um den Wirkstoff gleichmäßig zu verteilen.
Weitere wichtige Hinweise, die Sie Patienten unbedingt mit auf den Weg geben sollten, sind:
- Das Anbruchdatum sollte immer auf der Packung notiert werden, denn diese Säfte sind nach dem Anrühren meist nur noch begrenzt haltbar. Auch müssen die meisten Trockensäfte nach Anbruch im Kühlschrank gelagert werden.
- Verwenden Sie ausschließlich die mitgelieferten Applikationshilfen wie Dosierlöffel, Pipetten oder Einnahmebecher, denn diese sind genormt. Damit ist garantiert, dass Sie genau die richtige Menge Wirkstoff pro Dosis einnehmen.
Augentropfen
Bei der Verabreichung von Augentropfen müssen aus hygienischen Gründen vorab unbedingt die Hände gewaschen werden. Augentropfen werden am besten immer körperwarm verabreicht. Kalte Tropfen, die zum Beispiel vorher im Kühlschrank gelagert wurden, würden das Auge reizen. Deshalb werden sie zunächst in der Hand angewärmt. Einige Augentropfen - siehe Hinweis in der Packungsbeilage - müssen vorher geschüttelt werden. Danach wird der Kopf in den Nacken gelegt und das Unterlid leicht nach unten gezogen. In die entstehende Unterlidtasche wird nun ein Tropfen eingetropft. Werden pro Anwendung mehrere Tropfen benötigt, sollte der nächste Tropfen erst nach ein paar Minuten eingetropft werden.
Arzneimittel zur direkten Anwendung am Auge sind nach Anbruch nur begrenzt haltbar. Hier müssen immer die Angaben der Packungsbeilage beachtet werden. Deshalb wird bei Augentropfen immer das Anbruchdatum auf der Flasche notiert.
Wichtig | Die Tropfspitze wird niemals mit den Händen berührt. Auch darf sie nicht mit dem Auge in Berührung kommen.
Inhalationssysteme
Britische Wissenschaftler stellten fest, dass 88 Prozent der Patienten Probleme bei der Anwendung von Inhalationssystemen haben. Hierin liegt einer der Hauptgründe für ein Therapieversagen. Patienten sollten daher vor der Erstverordnung unbedingt eine ausführliche Einführung in die Handhabung ihrer Geräte erhalten. Darüber hinaus ist eine Überprüfung in regelmäßigen Abständen auch bei langjährigen Anwendern sinnvoll, weil sich im Laufe der Zeit manchmal Anwendungsfehler einschleichen.