Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Patientenbeobachtung

Die Kontrolle der Pupillenreaktion

von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, München

| Die Kontrolle der Pupillen kann Aufschluss über Schädigungen des Gehirns und viele andere Erkrankungen geben. Eine sorgfältige Erhebung ist Voraussetzung für die Aussagekraft des Befundes. Standardisierte Dokumentation bietet sich an. |

Der Pupillenreflex

Der Pupillenreflex bezeichnet die Reaktion der Regenbogenhaut (Iris) auf einen Lichtreiz. Unter dem Einfluss von Licht verengt sie die runde Öffnung in ihrer Mitte, durch die das Licht auf die hinter dem Glaskörper des Auges gelegene Netzhaut fällt. Die Sinneszellen der Netzhaut nehmen den Reiz des Lichtes auf und senden entsprechende Signale über den Sehnerv (N. opticus) an das Gehirn. Dort entsteht die visuelle Wahrnehmung, die zusammenfassend mit dem Begriff „Sehen“ beschrieben ist.

 

Die Reaktion der Pupille dient im Wesentlichen dem Schutz des Auges vor einer zu hohen Lichtmenge, weil sie beim gesunden Auge sehr rasch erfolgt. Zusätzlich kann die Netzhaut ihre Lichtempfindlichkeit regeln und so eine vernünftige Verarbeitung optischer Reize sichern.

Einflüsse auf die Pupillenreaktion

Die Kontrolle der Pupillenreaktion ist erforderlich, wenn der Verdacht auf eine Störung im Gehirn besteht, wie sie zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Hirntumor oder ein Schädeltrauma ausgelöst sein kann. In diesen Fällen kann es in der Schädelhöhle zu einer erheblichen Drucksteigerung kommen. Sie ist durch eine Schwellung des Hirngewebes oder einen Stau des Liquors (Hirnwasser) verursacht. Im knöchernen Schädel hat das Gehirn nur wenig Möglichkeit, dem Druck auszuweichen. Der Druck irritiert die Hirnnerven, die an der Unterseite des Gehirns durch Öffnungen in den Knochen der Schädelbasis austreten. Die veränderte Pupillenreaktion geht mit weiteren Krankheitszeichen, zum Beispiel Schwindel, Übelkeit, verlangsamtem Puls, Bewusstseinsveränderungen und Kopfschmerz einher.

 

Bei Hirndruck zeigt sich eine veränderte Pupillenreaktion und -größe überwiegend zunächst auf der Seite, an der die Hirnveränderung stattfindet (ipsilateral). Später ist dann auch das andere Auge betroffen (kontralateral).

Gesunde Pupillenreaktionen

In gesunden Augen sind die Pupillen nahezu exakt rund und befinden sich im Mittelpunkt der Iris. Unter großem Lichteinfluss sind die Pupillen eng. Bei abnehmender Lichtstärke erweitern sie sich. Diese Größenveränderung zeigt sich bei beiden Augen in demselben Umfang (Isokorie). Die Verengung der Pupille tritt auch während der Wahrnehmung einer Konvergenzbewegung auf. Damit bezeichnet man den Eindruck, den ein sich nähernder Gegenstand verursacht. Dabei verengen sich die Pupillen gesunder Menschen und die Augäpfel drehen sich einwärts, Richtung Nase.

 

PRAXISHINWEIS | Augenprothesen sind auch aus der Nähe kaum von echten Augen zu unterscheiden. Dieser Eindruck verstärkt sich durch Bewegungen, die durch Aktionen der mimischen Muskulatur hervorgerufen sind. Eine Pupillenreaktion zeigen Glasaugen jedoch nicht.

Abweichende Pupillenreaktionen

Bei der Pupillenkontrolle ist zu beachten, dass Veränderungen der gesunden Reaktion auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein können. Deshalb ist es notwendig, die Krankheitsgeschichte des Untersuchten genau zu kennen.

 

  • Pupillenveränderungen und ihre möglichen Ursachen.
Zeichen
Mögliche Ursachen (Beispiele)

Träge oder fehlende Lichtreaktion

  • Erhöhter Hirndruck
  • Koma
  • Schädigung der Sehnerven (Hirnnerven)
  • Schädigung des Mittelhirns
  • Traumatische Schädigung des Augapfels (Bulbustrauma)

Pupillenerweiterung (Mydriasis)

  • Psychischer Stress
  • Schädigung des N. oculomotorius (III. Hirnnerv; Augenbewegungsnerv), zum Beispiel durch erhöhten Hirndruck
  • Medikamente, zum Beispiel Atropin (acht Stunden anhaltend), Amphetamine, Antihistaminika, Pethidin (Opiat), Adrenalin
  • Drogen, zum Beispiel Cannabis, LSD
  • Giftpflanzen, zum Beispiel Stechapfel, Engelstrompete, Stechginster, Goldregen, Eibe (wirken infolge einer Intoxikation oder einer lokalen Vergiftung durch Kontakt der Wirkstoffe mit dem Auge)
  • Intoxikation mit Methylalkohol, Kohlenstoffmonoxid (CO)

Pupillenverengung (Miosis)

  • Schädigung der zentralen Sympathikusbahn, zum Beispiel bei Mittelhirnsyndrom
  • Medikamente, zum Beispiel Fentanyl, Piritramid, Morphium
  • Intoxikation, zum Beispiel mit Alkylphosphaten (etwa in Reinigungsmitteln oder Kunststoffen), Muskarin (Gift in Riss- und Fliegenpilzen), Schlafmitteln, Nikotin, Ethylalkohol

Unterschiedliche Pupillengröße und -reaktion (Anisokorie)

  • Schädigung des Gehirns
  • Augen-Operationen
  • Einseitige Blindheit
  • Traumatische Schädigung

Entrundung

  • Angeborene Fehlbildungen
  • Verletzungen
  • Infektionen
  • Schädigung des Mittelhirns
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Augen-Operationen

 

Auch die Beurteilung der Bewegungen bzw. der Ausrichtung des Auges gehört zur Pupillenkontrolle. Unwillkürliche, ruckartige, horizontale Bewegungen des Augapfels (Nystagmus) können physiologisch auftreten oder etwa Ausdruck einer Erkrankung des Kleinhirns sowie von Drogenkonsum (zum Beispiel Ecstasy) sein. Abweichungen der Blickachse (Bulbusdivergenz, Blickdeviation) können zum Beispiel auf Hirnschädigungen, Augenmuskellähmungen oder Intoxikationen deuten.

Durchführung der Kontrolle

Der Untersucher beurteilt während der Kontrolle Pupillenweite, -form, -position, -differenz sowie die gleichseitige (konsensuelle) Reaktion auf Licht.

 

Zur Überprüfung der Lichtreaktion verwenden Sie am besten eine relativ hell leuchtende Taschenlampe. Der Unterschied ihrer Leuchtkraft zur Stärke des Umgebungslichtes macht die Pupillenreaktion deutlicher und damit leichter beurteilbar. Sie informieren den Patienten zunächst über die Maßnahme und bitten ihn, die Augen nicht zuzukneifen.

 

Dann bitten Sie den Patienten, die Augen zu öffnen oder unterstützen ihn, indem Sie die Oberlider mit vorsichtigem Druck so weit Richtung Stirn schieben, dass die Pupillen gut sichtbar sind. Dabei schirmen Sie das Auge, in das Sie nicht hineinleuchten vom Umgebungslicht ab, bedecken es jedoch nicht vollständig, um die Gleichzeitigkeit der Pupillenbewegung beurteilen zu können. Sie führen den Lichtstrahl der Taschenlampe von der Seite auf das Auge und entfernen ihn nach Beobachtung der Pupillenreaktionen sofort. Die Prüfung sollte weniger als eine Sekunde lang dauern, da insbesondere Menschen mit visuellen Einschränkungen das helle Licht als unangenehm empfinden.

Dokumentation des Untersuchungsbefundes

Das Ergebnis der Pupillenkontrolle ist zu dokumentieren. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den durchaus subjektiv gefärbten Eindrücken verschiedener Untersucher zu gewährleisten, bietet es sich an, ein standardisiertes Schema zu verwenden. Es sind grundsätzlich auch andere Einteilungen der Beobachtungen möglich. Wichtig ist, dass das gesamte Team sich an demselben Standard orientiert

 

Pupillenform
Pupillenreaktion

Maximal eng

1

Prompt

++

Eng

2

Verzögert

+

Mittelweit

3

Keine

-

Weit

4

Entrundet

e

 

Aus der Unterteilung, die in der Tabelle genannt ist, lassen sich individuelle Untersuchungsergebnisse zusammenstellen.

 

  • Beispiel

Bei einem Patienten, der im linken Auge eine weite, entrundete Pupille ohne Lichtreaktion und im rechten Auge eine enge Pupille mit prompter Reaktion hat, notieren Sie: „4e-/2++“.

 
Quelle: Ausgabe 06 / 2012 | Seite 14 | ID 32566140