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29.04.2010 | Teammanagement

Zurück in den Beruf: So gelingt der Wiedereinstieg

von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg

Ein Jahr, drei Jahre oder fünf: Wie lange sich Eltern eine Auszeit für die Kindererziehung nehmen, ist sehr unterschiedlich. Den richtigen Zeitpunkt für den beruflichen Wiedereinstieg gibt es nicht. Er hängt von der individuellen Situation der Familien ab, ihren finanziellen Mitteln und den Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Während die einen eine intensive Familienphase vorziehen, möchten die anderen gerne für ein paar Stunden täglich den Wickeltisch mit dem Praxisstuhl tauschen. Wiederum andere haben vielleicht Angst, nach längerer Elternzeit dem Praxisalltag nicht gewachsen zu sein oder die Familie zu vernachlässigen. Doch, egal zu welchem Zeitpunkt: Ein erfolgreicher Wiedereinstieg ist eine Frage der Organisation.  

Flexible Arbeitszeitmodelle

Um Beruf und Familienleben optimal zu koordinieren, sollten Sie sich vor dem Wiedereinstieg die Frage stellen: Wie viele Stunden habe ich in der Woche für die Arbeit zur Verfügung? Zwar können Arbeitnehmer bis zu drei Jahre nach der Geburt eines Kindes wieder zu den gleichen Konditionen in den alten Job einsteigen. Doch nur wenige haben nach diesen drei Jahren die Möglichkeit, eine Vollzeitstelle auszuüben. Viele Praxen sind deshalb heute gerne bereit, Teilzeitstellen für ihre Mitarbeiterinnen zu schaffen. Sprechen Sie Ihren Chef ganz konkret auf die Möglichkeit der Gestaltung einer Teilzeitarbeitsstelle an. Das zeigt Eigeninitiative und Engagement. Und: Beweisen Sie Flexibilität. In manchen Praxen ist es besser, wenn eine Teilzeitkraft zwei volle statt fünf halbe Tage arbeitet.  

Neuorientierung auf dem Arbeitsmarkt

Berufsrückkehrerinnen, die nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurück möchten oder können, sehen sich noch mit anderen Herausforderungen konfrontiert: Sie müssen sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren. Gehen Sie gut informiert auf Jobsuche. Lesen Sie Stellenanzeigen und aktivieren Sie persönliche Netzwerke. Vielleicht weiß ja einer Ihrer Bekannten von einer Praxis, in der gerade eine Stelle frei geworden ist? Oder jemand sucht für ein paar Stunden eine Aushilfe zur Terminvereinbarung? Selbst wenn Sie nur für wenige Stunden in der Woche einspringen können: Der erste Schritt zurück ins Berufsleben wäre getan.  

Die Arbeitsagentur bietet Informationen und Unterstützung für Berufsrückkehrerinnen an. Hier gibt es außerdem die Möglichkeit, an Bewerbungstrainings teilzunehmen und die eigenen Unterlagen professionell prüfen zu lassen.  

Fachliche Fortbildungen erleichtern den Einstieg

Egal, ob Sie an Ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren oder sich einen neuen suchen: Sicher kommen bei Ihnen Zweifel auf, ob Sie überhaupt noch auf dem aktuellen Wissensstand sind. Je länger die Erziehungspause gedauert hat, desto wahrscheinlicher haben sich Wissenslücken gebildet und desto mehr Herausforderungen werden Sie bei der Rückkehr in den Beruf begegnen. Finden Sie heraus, was wirklich neu für Sie ist und wie Sie diese Lücken - zum Beispiel durch Fortbildungen - schließen können. Treffen Sie sich zum Beispiel mit ehemaligen Kolleginnen und überlegen Sie gemeinsam, was Sie noch kennen und können. So werden Sie über Praxisneuerungen informiert und pflegen gleichzeitig Ihre persönlichen Netzwerke.  

 

Bei sehr langen Elternzeiten und mehrjähriger Abwesenheit vom Beruf ist es meist sinnvoll, neben fachlichen Fortbildungen auch die eigenen Schlüsselqualifikationen zu erweitern. In Seminaren und Kursen der Volkshochschule kann man beispielsweise seine EDV-Kenntnisse auffrischen oder den Umgang mit speziellen Programmen erlernen. Für allgemeine Fortbildungen ist auch die Arbeitsagentur ein guter Ansprechpartner. Ausbildungskosten können aus dem Vermittlungsbudget finanziert werden.  

Kinderbetreuung: Mit ruhigem Gewissen in den Job zurück

Ein erfolgreicher Wiedereinstieg hängt nicht zuletzt mit einer guten Betreuungsmöglichkeit für die Kinder zusammen. Kinder ab drei Jahren können im Kindergarten betreut werden. Grundsätzlich steht jedem Kind ein Kindergartenplatz zu. In den meisten Regionen ist jedoch die Nachfrage größer als das Angebot und es kommt zu Wartezeiten. Kinder unter drei Jahren können in öffentlichen Kinderkrippen betreut werden. Die Kosten von Kinderkrippen und -gärten variieren und sind außerdem vom Einkommen der Eltern abhängig. Als Alternative dazu können Eltern ihre Kinder auch von Tagesmüttern betreuen lassen, wodurch die Betreuung flexibel sowie unabhängig von Öffnungszeiten und Tageszeit vereinbart werden kann. Unter Umständen kann diese private Betreuungsform vom Jugendamt bezuschusst werden.  

Erfolgreicher Wiedereinstieg

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist keine kurzfristige Sache. Besonders in den ersten Wochen stellen sich oft viele Herausforderungen, die gemeistert werden müssen, um Familienleben und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Das wichtigste ist, Problemen konstruktiv zu begegnen. Probieren Sie eine neue Organisation im Haushalt und beziehen Sie Ihren Partner ein. Üben Sie sich im Zeitmanagement und verzweifeln Sie nicht an kleinen Rückschlägen. So wird der Wiedereinstieg ins Berufsleben auch langfristig erfolgreich sein.  

Quelle: Ausgabe 05 / 2010 | Seite 19 | ID 135304