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29.09.2010 | Team-Check

Teamarbeit - Wo steht unser Praxisteam?

von Dr. Wolfgang Huge, Dipl.-Pädagoge, Bad Essen

Wer wissen möchte, wo das Praxisteam als Team aktuell steht, kann einen einfachen „Check-up“ mithilfe eines Fragebogens bzw. einer Checkliste durchführen. „Praxisteam professionell“ führt Sie Schritt für Schritt durch diesen Check-up Ihres Praxisteams.  

10-Punkte-Check-up zum Stand der Teamentwicklung

Ein fundierter „Check-up“ sollte mindestens die folgenden zehn Aspekte berücksichtigen. Alle zehn Aspekte, die in Ihrer optimalen Ausprägung das Bild eines gut funktionierenden, leistungsfähigen Teams beschreiben, sind mit jeweils maximal zehn Punkten zu bewerten (10 Punkte für „trifft voll zu“ und 0 Punkte für „trifft überhaupt nicht zu“). Je mehr Punkte insgesamt zusammenkommen, desto weiter vorangeschritten ist das Praxisteam.  

 

1. Gegenseitiges Vertrauen

Wie hoch ist das gegenseitige Vertrauen im Team? Herrschen untereinander Toleranz und Akzeptanz? Oder gibt es Anzeichen von Misstrauen, Konkurrenz und Rivalität im Team? Rivalität gibt Punktabzug, Toleranz und Vertrauen führen zu einer hohen Punktzahl.  

 

2. Offener Umgang miteinander

Wie verhalten sich die Mitglieder untereinander? Gefordert ist ein offener, freier und ehrlicher Umgang im Team, dies gibt viele Punkte. Zurückhaltung und Vorsicht im Umgang mit den Kolleginnen sprechen eher für eine mittlere Bewertung, Versteckspiele und taktische Zurückhaltung sind negativ zu gewichten.  

 

3. Zusammenarbeit und Teamgeist

Hier geht es um das Zusammenspiel im Team. Tritt das Team als eine Einheit auf oder prägen Untergruppen und Einzelkämpfer die Szene? Sind alle Teammitglieder integriert, oder gibt es Außenseiter? Spricht jeder mit jedem? Wenn ja: viele Punkte, wenn nein: wenige.  

 

4. Gegenseitige Unterstützung

In einem guten Team herrschen ein hohes Maß an Loyalität, gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung (hohe Punktzahl). Wo sich hingegen jeder vor allem um seine eigenen Interessen kümmert, fehlt in der Regel diese Qualität der Teamarbeit (wenige Punkte).  

 

5. Handlungsspielraum und Teamregeln

Freier Handlungsspielraum und Raum gebende Verhaltensspielregeln ermöglichen es Teams, ein hohes Leistungspotenzial abzurufen. Schablonenhaftes Verhalten hingegen bewirkt zusammen mit einer einengenden Führung, dass sich das Leistungspotenzial nicht in vollem Umfang entwickeln kann. Fragen Sie sich also: Lassen sich im Praxisteam ein festes Rollenverhalten, Rituale oder starre Ordnungsschemata ausmachen (wenige Punkte) oder besteht ein ausreichender Bewegungs- und Handlungsspielraum (viele Punkte)?  

 

6. Produktiver Umgang mit Schwierigkeiten

In gut funktionierenden Teams werden Probleme offen angepackt und Konflikte ausdiskutiert, ohne dass Unterschwelliges bestehen bleibt (hohe Punktzahl möglich). Vorwürfe, Belehrungen, abfällige Äußerungen und persönliche Kritik hemmen die Leistungsfähigkeit der Gruppe. Werden bestimmte Fragen nicht angesprochen und Konflikte verdrängt, gerät die Teamentwicklung schnell ins Stocken (Punktabzug).  

 

7. Experimentieren möglich

Experimentieren und Nachprüfen der eigenen Entscheidungen sind selbstverständliche Merkmale eines gut organisierten Teams. Wo neue Lösungen und Risikobereitschaft nicht erprobt werden können, wird das Team die Ebene konventioneller Problemlösungen nur selten oder nie verlassen. Nur wo auch einmal das Risiko eingegangen werden kann, dass ein Experiment kontrolliert daneben gehen darf, werden Teammitglieder ermuntert, auch Initiative zu zeigen und die eigenen Fähigkeiten kreativ durch den Einbezug eigener Ideen auszuschöpfen. Dürfen Teammitglieder Risiken eingehen?Falls ja: hohe Punktzahl, wenn nicht: niedrige.  

 

8. Informationsverhalten und Aufgabenstruktur

Leistungsfähige Praxisteams zeichnen sich durch eine klare und zielorientierte Aufgabenverteilung aus. Hinsichtlich sachlicher Anforderungen besteht ein für alle Seiten nachvollziehbarer und akzeptierter Grundkonsens. Jeder bekommt die Informationen, die er für seine Aufgaben benötigt. Wo dies nicht der Fall ist, ist ein Punkteabzug vorzunehmen.  

 

9 . Klare Ziele

Besteht eine weitgehende Übereinstimmung in den Zielsetzungen bei allen Teammitgliedern oder herrscht wenig Klarheit bezüglich der Erwartungen an die einzelnen Teammitglieder? Wo keine gemeinsamen Vorstellungen über die Zukunft des Teams vorhanden sind, gestaltet sich eine produktive Zusammenarbeit schwierig. Haben die Teammitglieder sich ihre persönlichen Erwartungen und Perspektiven für die Zusammenarbeit einander nahe gebracht (hohe Punktzahl) oder sind diese unbekannt geblieben (niedrige)?  

 

10. „Wir-Gefühl“ und Motivation

Wo die einzelnen Teammitglieder sich im Kreis der Gruppe anerkannt und geschätzt fühlen, entwickeln sich Motivation und „Wir-Gefühl“ (viele Punkte). Werden einzelne Teammitglieder jedoch vernachlässigt und tut jeder nur das Nötigste oder zieht sich auf seine Aufgaben zurück, bleibt eine wechselseitige Motivation aus (Punktabzug).  

Einordnung der Ergebnisse mithilfe der Team-Uhr

Die Entwicklung eines Teams wird vielfach mit dem Bild einer Uhr beschrieben. Wenn Sie alle 10 Aspekte im Team besprochen und bewertet haben, können Sie mithilfe dieser „Team-Uhr“ erkennen, wo Ihr Team aktuell steht. Die Team-Uhr wird als Grundlage zur Reflexion genutzt, bei der die Teammitglieder einschätzen können, wie weit sie selbst mit ihrem Team auf dem Weg zum gut integrierten Top-Team vorangeschritten sind.  

 

In Anlehnung an das 12-stündige Zifferblatt zeigt die Team-Uhr die verschiedenen Phasen des Weges von einer zusammengewürfelten Gruppe hin zum leistungsfähigen Top-Team.  

 

Die Team-Uhr umfasst vier Bereiche

  • Die Zeit zwischen 0 und 3 Uhr bezeichnet die Geburtsphase der Gruppe, in der die gemeinsame Orientierung im Vordergrund steht. In dieser Phase ist noch eine Führung von außen notwendig, ebenso wie eine Lenkung und Kontrolle der Teamaktivitäten durch den Praxisinhaber.
  • Von 3 bis 6 Uhr folgt die Phase der inneren Auseinandersetzung, in der die Teammitglieder beginnen, ihr Verhältnis untereinander zu klären und erste eigenständige Schritte als Team zu unternehmen.
  • Von 6 bis 9 Uhr folgt die Organisationsphase, in der das Team immer unabhängiger wird, sich wechselseitig im Alltag unterstützt, gemeinsam die Verantwortung für die Praxisabläufe übernimmt und diese in eigenständiger Regie koordiniert.
  • Von 9 bis 12 Uhr folgt dann das letzte Stadium vollendeter Teamarbeit, in dem das Praxisteam delegierte Aufgaben ebenso wie Konflikte im Team (Beispiel: Diskussion um Urlaub, Brückentage, Arbeitseinteilung etc.) vollständig in eigener Kompetenz zu regeln im Stande ist und den Praxisinhaber weitgehend von aller Organisationsarbeit entlastet.

Arbeitsgruppen mit weniger als 25 Punkten zeigen lediglich grobe Teamstrukturen - das Team steht noch ganz am Anfang, es ist in seiner Geburtsphase. Wurden zwischen 26 und 50 Punkte erreicht, dürfte sich Ihr Team in der zweiten Entwicklungsphase befinden, die der inneren Auseinandersetzung und aufkommenden Teamarbeit zuzuordnen ist. Zwischen 51 und 75 Punkten hat Ihr Praxisteam bereits das Stadium organisierter Teamarbeit erreicht. Und bei mehr als 75 Punkten scheint alles optimal zu sein ...  

 

Praxishinweis

Wenn Sie sich veranschaulichen wollen, wie weit Ihr Praxisteam in seiner Entwicklung vorangekommen ist, stellen Sie in einem Zifferblatt-Schaubild die gegenwärtige „Uhrzeit“ des eigenen Teams ein. Lassen Sie auch von Ihren Kolleginnen eine solche Einstellung vornehmen, vergleichen Sie die Ergebnisse und überlegen Sie im Kreis des Praxisteams, zu welcher gemeinsamen Einschätzung Sie kommen. Notieren Sie die Punkte und nutzen Sie sie als Grundlage für eine Diskussion darüber, wohin Sie mit Ihrem Team in Zukunft wollen und woran Sie den weiteren Fortschritt erkennen können. Fällt eine solche gemeinsame Einschätzung schwer und gehen die Sichtweisen im Team stark auseinander, spricht dies nicht für einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand!  

 

Quelle: Ausgabe 10 / 2010 | Seite 3 | ID 138854